Zur Einstimmung auf das Symposium "Angst vor dem Leben? Wie Kinder und Jugendliche Mut, Sicherheit und Vertrauen entwickeln können", das am 08. Mai 2026 in Linz stattfindet, hören Sie in den nächsten Tagen Gespräche mit Persönlichkeiten, die sich rund um das Thema verdient gemacht haben.
Karin Fidler ist Psychotherapeutin und Pädagogin.
Sie lehrt unter anderem an der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien/Niederösterreich und ist Vorsitzende des Niederösterreichischen Landesverbandes für Psychotherapie.
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Redaktion & Moderation: Golli Marboe, Gestaltung & Produktion: Iris Haschek, Schnitt: Caritas Koren, Musik: Michael Pogo Kreiner
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[00:00:09] Zur Einstimmung auf das Symposium Angst vor dem Leben, wie Kinder und Jugendliche Mut, Sicherheit und Vertrauen entwickeln können, das am 8. Mai 2026 in Linz stattfindet, hören Sie in den nächsten Tagen Gespräche mit Persönlichkeiten, die sich rund um das Thema Verdienst gemacht haben.
[00:00:26] Karin Fiedler ist Psychotherapeutin und Pädagogin. Sie lehrt unter anderem an der Kirchlich-Pädagogischen Hochschule wie Niederösterreich und ist Vorsitzende des Niederösterreichischen Landesverbandes für Psychotherapie. Heute bei 365 und bei Mental Health Radio Karin Fiedler. Karin Fidler, wie beschreiben Sie Angst? Karin Fiedler, die sich in der Nähe von der Kirche befinden.
[00:00:51] Karin Fiedler, die sich in der Kirche befinden, ist eine ganz wichtige Einrichtung oder ein ganz wichtiges Gefühl, das wir Menschen haben, denn Angst schützt uns ja auch. Karin Fidler, die sich in der Kirche befinden, wenn wir auf den Berg gehen und da ist es steil, dann ist es schon gut, wenn man ein bisschen Respekt hat, um nicht abzustürzen. Karin Fidler, die sich in der Kirche befinden, aber ich weiß auch, dass, wenn wir jetzt von Jugendlichen sprechen, Angst auch manchmal überbordend ist.
[00:01:12] Karin Fiedler, die sich in der Kirche befinden, wenn sie in der Kirche befinden, ist es schon ein bisschen, was man erlebt hat, mit Gedanken, aber auch mit Zukunftserwartungen. Und deshalb schauen wir in der Therapie immer auch auf die Zusammenhänge. Teilen Sie den Befund, den man in der öffentlichen Wahrnehmung ja jetzt so beobachten kann, den auch viele Studien bestätigen, dass die Angststörungen bei jungen Erwachsenen zunehmen?
[00:01:42] Karin Fiedler, die sich in der Kirche befinden, dass die Kinder und Jugendlichen befinden, dass die Kinder und Jugendliche befinden, dass die Kinder und Jugendliche befinden.
[00:02:18] Und wenn wir jetzt über Angst sprechen, wie würden Sie als Profi diesen Grad beschreiben zwischen der gesunden Angst, die Sie genannt haben, die uns schützt vor einem Lastauto, das daherkommt. Und ich nicht vorher überlege, ob ich jetzt noch auf die Straße gehe, obwohl Rot oder Grün ist, sondern dass ich einfach stehen bleibe. Und eine Störung. Also Angst hat etwas Gesundes zu einem gewissen Maß.
[00:02:47] Also man darf vor einer Prüfung nervös sein. Man darf einmal ein bisschen schlecht schlafen. Angst mobilisiert ja auch Kräfte. Das ist ja auch ein sehr uraltes. In der Geschichte der Evolution hat uns Angst auch geholfen, um vor irgendwelchen Raubtieren ganz schnell zu flüchten und zu laufen und nicht zu spüren, dass eigentlich schon zwei Zehen fehlen. Aber jetzt ist es schon so, dass ich ein bisschen auch auf mich selbst achten muss und schauen, was macht die Angst mit mir? Kann ich sie noch dosieren? Kann ich sie auch wieder ein Stück wegschalten?
[00:03:15] Kann ich sie noch nicht mehr machen?
[00:03:46] Jetzt gibt es ja viele verschiedene Formen von Phobien bis zu der von Ihnen erwähnten Zukunftsangst. Wie bemerke ich das an mir selbst, wenn ich da in mich hineinhöre, wie Sie es gerade vorgeschlagen haben? Ja, also dass sich die Gedanken sehr stark drum herum drehen, dass ich auch gewisse Gefühle habe, die ich nicht mehr loswerde, die beengend sind, die bedrückend sind, die unangenehm sind, die vielleicht sich anfühlen wie ein schwerer Stein, der auf mir liegt.
[00:04:13] Dass ich nicht mehr handlungsfähig bin, dass ich keine Freude mehr am Leben habe. Also ich denke, es ist ein ganzes Konglomerat. Und ich kann ja auch immer versuchen zu schauen, wie war es denn früher? Habe ich solche Zeiten schon erlebt oder nicht? Und ein bisschen so Inventur halten und sich auch Zeit für sich selbst nehmen. Jetzt wollen wir, dass die Kinder die jungen Erwachsenen Inventur halten, wie Sie es gerade sagen. Aber jetzt glauben, zumindest laut unseren Ergebnissen bei den Mentimeter-Umfragen in den Schulen,
[00:04:43] circa die Hälfte der jungen Erwachsenen, dass sie sich Angst auch abgewöhnen können. Ja. Wie kommt denn das? Ja, gute Frage. Ja, junge Menschen vergleichen sich natürlich sehr, sehr stark, wie andere tun. Viele geben natürlich auch ein Bild nach außen ab, das möglicherweise ganz anders ist, als es im Inneren aussieht. Junge Menschen vergleichen sich, möchten cool wirken. Und wir sehen ja auch auf Social Media, dass viele Bilder, wenn man es realistisch ansieht,
[00:05:11] nicht so ganz echt sein können. Und ich würde mir Angst nicht abgewöhnen. Ich habe schon erwähnt, das ist eine hilfreiche Einrichtung und bewahrt uns vor vielem. Und hilft uns auch, leistungsfähiger zu sein. Aber was man natürlich beachten kann, ist so ein adäquater, guter Umgang mit der Angst. Wo ich mich selber fragen kann, ist das jetzt noch realistisch, hier Angst zu haben? Ist das überbordend?
[00:05:39] Und welchen Rat könnten Sie jetzt da auch Erziehungsberechtigten und Pädagoginnen geben, wenn sie bei Kindern merken, die kriegen Prüfungsangst oder die haben Panikattacken? Wie begegnet man dem am besten? Ja, vielleicht zur Panikattacke. Da ist das Nervensystem unter Alarm. Also da hilft wenig zu sagen, da brauchst du keine Angst haben. Also das hilft ganz genau gar nichts. Sondern da wäre wirklich wichtig, bei der Person zu bleiben, zu beruhigen, zu sagen, ich bleibe bei dir.
[00:06:07] Ich merke, du hast es jetzt sehr heftig. Wir schaffen das Schritt für Schritt. Und da so eine Art gespiegelte Kommunikation zu machen, weil man nimmt ja, wenn man ein bisschen empathisch ist, wahr, wie es der Person geht, vor allem, wenn man sie ein bisschen kennt. Gespiegelte Kommunikation, da möchte ich gerne noch einmal nachhaken, bevor wir dann noch einmal zu den Tipps kommen für die Pädagoginnen und die Erziehungsberechtigten. Was heißt denn das gespiegelte Kommunikation?
[00:06:32] Ja, dass ich da merke, wenn es dieser Person nicht so gut geht oder wenn sie etwas sagt, dass ich das aufnehme und wirklich darauf antworte und zwar in einem positiven Sinn und gleichzeitig selbst ganz ruhig bleibe. Das ist auch möglich, wenn man weiß, dass eine Panikattacke auch wieder vergeht. Man stirbt an einer Panikattacke nicht, obwohl es sich anfühlt, als hätte man jetzt einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall. Also Betroffene schildern das so.
[00:06:59] Und dann gibt es auch Tricks zu sagen, ich orientiere mich im Raum oder ich versuche tief und langsam zu atmen. Man kann sich vielleicht auch berühren und Halt geben oder den Bodenkontakt bewusst wahrnehmen. Ich stehe mit zwei Beinen auf dem Boden und habe meine Sicherheit. Da kann man sich das ein bisschen so vorstellen vielleicht, dass der Kopf voller Angst ist und wir müssen dafür sorgen, dass sich die wieder zurückzieht in diesen ältesten Teil des Hirns. Zum Beispiel, genau.
[00:07:28] Also alles, was hilft, ist erlaubt. Also ich kann mir diese Angst vorstellen als etwas, das ich jetzt nehme und einfach in eine Lade gebe und sage, ich brauche dich jetzt nicht, danke, du darfst da jetzt schlafen gehen und ich gebe es bewusst in die Lade und mache die Lade zu. Oder ich stelle mir eben vor, wie Sie sagen, dass sie sich irgendwo hin zurückzieht wieder und sage, liebe Angst, danke, dass du auf mich aufpasst. Das ist ja eine positive Einrichtung und Angst möchte ja etwas bewirken. Sie möchte uns in der Regel vor etwas schützen, das schon einmal passiert ist.
[00:07:58] Also ich habe irgendwann eine schlechte Erfahrung gemacht. Zum Beispiel in der Schule eine negative Note eingefahren. Ich habe überhaupt nicht damit gerechnet. Dann erwischt einen das am falschen Fuß. Und dann habe ich natürlich bei der nächsten Gelegenheit, wo es sich ähnlich anfühlt, genau diese Angst von damals eigentlich. Und wenn man dann diesen Mechanismus der Angst einmal ein bisschen entkoppelt und versteht, dann gelingt es auch einfacher, adäquat mit der Angst umzugehen.
[00:08:25] Sollten Sie sich in einer seelischen oder psychischen Krise befinden und Hilfe suchen, dann können Sie sich an die Telefonseelsorge wenden unter 142, 24 Stunden, sieben Tage in der Woche lang. Oder wenn Sie lieber chatten, dann unter telefonseelsorge.at und dann auf Sofortchat klicken. Oder wenn Sie persönlich Hilfe benötigen und das im persönlichen Gespräch machen möchten, dann gibt es auch noch das Kriseninterventionszentrum, kriseninterventionszentrum.at.
[00:08:58] Wie können wir in der Schule diesen Phänomenen begegnen? Ich denke, gerade das System Schule kann sehr viel beitragen, wenn ich auf Augenhöhe ein Klima schaffe, wo Fehler auch erlaubt sind. Denn wir wissen, wir lernen aus Fehlern. Wir machen auch vieles positiv. Schule ist manchmal ein Ort, wo halt mehr auf die Fehler, als auf das geschaut wird, was gelingt. Da kann ich nur an die Pädagoginnen appellieren, den Fokus wieder darauf zu richten, welche wunderbare Fortschritte ihre Schüler machen.
[00:09:27] Ich finde, Schule sollte nicht beschämend wirken. Und diese Fehlerkultur, diese Rückmeldung, die konstruktiv ist, vielleicht in einer Sandwich-Technik, was Positives, dann schaut, da könnte es besser werden und das ist dir auch gut gelungen. Denn dann macht das einfach etwas anderes, wie wenn man vor der ganzen Klasse vielleicht bloßgestellt wird und ein schlichtweg beschämendes Erlebnis hat. Welche Rolle kann denn da die Psychotherapie spielen? Und inwiefern würde es Sinn machen, wenn es mehr psychotherapeutische Angebote in Schulen gibt?
[00:09:59] Ja, das wäre sehr schön. Wir hören immer wieder, dass es Angebote gibt. Aber ich habe mir den Bericht der Schulpsychologie angesehen und ich kann nur sagen, es kommen nur 0,14 Prozent der österreichischen Schülerinnen und Schüler in den Genuss einer schulpsychologischen Betreuung, was ja dann ein Beratungsgespräch ist, auf das man auch relativ lange wartet. Also ich hätte auch als Mutter die Vorstellung, dass es dieses Angebot von Schulpsychotherapie in der Schule gibt.
[00:10:27] Viele Eltern können es sich Punkt eins nicht leisten, die Kinder in Therapie zu bringen. Es ist auch ein Aufwand, Kinder von A nach B zu bringen, besonders am Land. Und wenn es hier die Möglichkeit vor Ort gäbe, könnte man frühzeitig bei den ersten Unstimmigkeiten oder unangenehmen Gefühlen vieles ausräumen, das später vielleicht chronisch wird, weil es nicht behandelt wird, weil es nicht angesprochen wird. Und das ist auch bei der Angst so, wenn man sie benennen kann, wenn man darüber reden kann, woher kommt das, was macht das,
[00:10:57] dass sie dann schon sehr viel an Macht verliert. Angst ist sehr gut therapierbar, also auch Angstprobleme oder Phobien. Absolut. Also ich bin davon überzeugt. Ja, ich bin ja auch Psychotherapeutin. Das wäre natürlich traurig, wenn ich diese Meinung nicht hätte. Aber die Praxis zeigt, dass man auch mit Prüfungsangst adäquat umgehen kann. Denn jeder Schüler hat Gott sei Dank auch positive Erfahrungen in der Schule gemacht. Sie haben schon ein bisschen über das Klima in der Schule gesprochen,
[00:11:26] unsere Fehlerkultur. Welche Rolle spielt denn da Kommunikation? Eine sehr große, würde ich sagen. Und ich denke, Kommunikation ist unter den Schülern untereinander natürlich ein Thema. Aber ich denke, Lehrer sollten Vorbild sein und sollten hier gut auf ihre Worte achten, die ja da sehr viel mitschwingen lassen manchmal. Oder Unterstellungen auch. Also es passiert viel unwissentlich, denke ich.
[00:11:52] Also da könnte man auch sehr viel beitragen, indem man Lehrkräfte in Kommunikationstechniken und guter Ausdrucksweise schult. Ein Thema ist sicherlich auch im Umgang miteinander, dass man Schüler auch mit einbezieht, dass man sie auch auf Augenhöhe mitwirken lässt. Also dass Schüler auch Selbstwirksamkeit erfahren können und dann nicht nur so irgendwie autoritär berieselt werden. Heute bei 365 die Vorsitzende des Niederösterreichischen Landesverbandes für Psychotherapie, Karin Fiedler.
[00:12:23] Da gibt es noch etwas, was, glaube ich, in der Psychotherapie eine große Rolle spielt. Das ist das Zuhören. Was bedeutet denn Zuhören? Ja, das ist sehr ein wichtiges Wort. Danke vielmals. Zuhören heißt, dass ich auf mehreren Kanälen zuhöre. Vielleicht kennen Sie dieses Modell von Schulz von Thun, dass es ja immer vier Ohren gibt, mit denen wir hören. Ja, es gibt einmal die sachliche Sache. Das war jetzt nicht richtig gerechnet. Dann gibt es aber auch natürlich diesen Appell,
[00:12:51] lern's nach oder bemühe dich mehr. Und je nachdem, wie ich halt betone und wie ich es ausdrücke. Und dann kann natürlich passieren, dass ich auch auf der Beziehungsebene irgendwie durchklingen lasse. Naja, kannst das eh schon wieder nicht. Aber ich könnte auch wertschätzend sein, auch zu Schülern, denen es vielleicht nicht so gut möglich ist, richtig zu rechnen. Denn wir haben alle unterschiedliche Talente. Jeder hat Stärken, jeder hat Schwächen. Und ich bin der Meinung, man sollte auch mit dieser Kommunikation stärken, stärken.
[00:13:20] Und zuhören würde meiner Meinung nach bedeuten, dass ich zuhöre. Dann trauen sich Schüler auch sagen, wo das Problem liegt. Also ich erlebe in der Praxis sehr oft, dass Schüler sich nicht Fragen trauen. Also weil der Lehrer so oder so vorne, der ist immer genervt, wenn er kommt. Am Dienstag ist er voll genervt, weil da kommt er ja von der und der Klasse. Also es ist so spannend, was Schüler auch wahrnehmen. Und am Donnerstag geht es eh mit ihm. Also solche Aussagen höre ich.
[00:13:47] Und das zeigt ja sehr, wie auch Pädagogen unter Strom stehen. Also ich möchte keinen Vorwurf machen. Das ganze System ist so ein bisschen hauseigener Stress, könnte man sagen. Zuhören und auch diese vier verschiedenen Formen des Zuhörens, die Sie beschrieben haben, zeigt uns, dass es auch nonverbale Kommunikation gibt. In der Kunst, in der Musik, in der Gestik, in der Art und Weise, wie ich einem anderen begegne, außerhalb der Kommunikation der Worte. Absolut, absolut.
[00:14:18] Also ich frage ja immer in Persönlichkeitsbildung, erster Jahrgang, so im Oktober, wie sich denn die Lehrer entpuppt hätten. Das war der erste Eindruck, wie der Lehrer hereingegangen ist. Vor wem hat man Angst gehabt ein bisschen, ohne es jetzt laut auszusprechen, jeder für sich, um einmal auch so dieses Bewusstsein für Körpersprache zu etablieren und wahrzunehmen. Und das ist sehr spannend, ja. Wenn man mit Schülern spricht und sie sensibilisiert, dann können sie das auch sehr, sehr gut zuordnen.
[00:14:47] Und ja, es ist eine Frage dessen, wie Lehrer auch ins Klassenzimmer hineingehen, mit welcher Einstellung. Und ja, es wäre halt wichtig, dass sich auch Lehrer in der Schule wohlfühlen können, um dann diesen Unterricht bieten zu können, den sie ja eigentlich machen wollen oder weshalb sie Lehrer geworden sind. Also ich unterstelle allen Lehrern, dass sie diesen Beruf sehr gerne ausüben, dass sie auch wissen, welche Verantwortung sie tragen für die Zukunft unseres Landes und unserer Gesellschaft und dieser jungen Menschen. Und dann ist es halt manchmal sehr stressig.
[00:15:17] Fünf Minuten Pause ist wahnsinnig kurz. Jeder will was und so weiter. Also ich denke, man muss schon gut auf sich aufpassen. In dem System Schule als Pädagogin. Nonverbale Kommunikation wird dann besonders schlagend, wenn wir uns an diese Doppelfunktion von Pädagoginnen herantasten. Auf der einen Seite sind sie Begleiterinnen, um Wissen und Menschlichkeit und Menschenbildung zu erwerben. Auf der anderen beurteilen sie auch. Wie geht sich das aus miteinander?
[00:15:44] Ich denke, es geht sich dann aus, wenn ich es klar kommuniziere. Also wenn ich sage, jetzt geht es darum um Lernen und bitte fragt jede Frage, die ihr fragen könnt. Freut euch über jeden Fehler, den ihr vor der Schularbeit macht, weil den macht ihr dann bei der Schularbeit sicher nicht mehr. Also das war immer so mein Rezept. Und dann ist es natürlich so, dass es meine Aufgabe ist, eine faire Note ins Zeugnis zu bringen. Und man weiß als Pädagogin, dass die Schüler vorbereitet sind. Und dann ist das eine andere Rolle.
[00:16:11] Aber eine Leistungsbeurteilung ist nur eine unter vielen. Das entlastet auch. Und ich denke, man kann auch eine nette oder freundliche oder auf Augenhöhe Pädagogin sein, wenn man auch Leistungsbeurteilung dann machen muss. Schüler wissen das auch. Und es geht auch darum, die Leistungsbeurteilung vielleicht ein bisschen zu entschärfen und auch einmal aus der Perspektive zu sehen, dass ihr Schüler auch gerne einmal wirklich zeigen möchten, was sie können. Und so auch für sich selbst Rückmeldung bekommen.
[00:16:41] Und wenn man dem das adäquate Gewicht gibt und sagt, das ist eine unter vielen oder man kann halt einmal vielleicht eine Probe machen oder ein bisschen klarer kommunizieren, was erwartet da einen, dann kann man auch sehr viel Angst nehmen. Macht und Angst. Ist das unsere patriarchalische Struktur, die wir da immer noch im Alltag leben? Ich bin überzeugt davon, dass dem so ist. Absolut, ja. Und wir wissen ja auch,
[00:17:08] dass Angst verwendet wird in autoritären Systemen, unabhängig oder patriarchalisch oder anders. Immer wenn es um Macht geht, wird mit Angst gearbeitet, um Menschen anzupassen, um sie auch ein Stück weit gefügig zu machen. Und Schule ist natürlich auch ein Ort des Lernens und das sich zurechtfinden in einer Gesellschaft, wo wir gut miteinander auskommen sollen. Also es geht vielleicht nicht ganz ohne, dass man sich auch ein bisschen anpasst an die Gesellschaft
[00:17:36] und wahrnimmt, dass man nicht alleine auf der Welt ist und sich halt auch in der Gruppe einfinden sollte. Dann komme ich zu einem nächsten großen Themenkreis, der viel mit Angst zu tun hat. Das sind die wirtschaftlichen Voraussetzungen, die sozioökonomischen Voraussetzungen, vor allem von Schülerinnen und Schülern, von Lehrlingen. Welche Rolle spielt der soziale Stand im Umgang mit Angst? Ich glaube, das spielt eine sehr große Rolle.
[00:18:06] Es macht etwas, wenn man einfach wahrnimmt, dass man einige Schritte weiter hinten ist als jemand anderer, der aus einem sehr wohlhabenden oder besser gestellten Haus kommt, der mehr Unterstützung erfährt, der mehr finanzielle Möglichkeiten hat. Und ich denke, wenn man mit Existenzängsten in der Familie konfrontiert wird, dann ist das auch Dauerstress fürs Nervensystem. Und dann belastet das. Bildung wird vererbt, sagt man immer, zumindest in Österreich.
[00:18:35] Wird damit auch die Angst vererbt? Ich denke, zu einem gewissen Teil. Also wenn man mit Jugendlichen spricht und dann merkt, wie ihr Selbstbild ist, wie ihr Selbstwert ist, wie sie ihre Selbstwirksamkeit stillschweigend einschätzen, dann merkt man sehr auch die Unterschiede zwischen verschiedenen Kindern und Jugendlichen in der Art und Weise, wie sie kommunizieren, mit welchem Selbstverständnis sie an gewisse Dinge herangehen. Und das macht natürlich auch etwas in der Klasse.
[00:19:05] Also wenn dann Schüler sagen, sie wollen ja gar nicht auf den Skikurs mitfahren. Ja, eh. Aber wir wissen auch, was ein Skikurs kostet. Und wir wissen auch, wenn das Einkommen der Eltern nicht so hoch ist und man vielleicht noch Geschwister, Kinder hat, dass das nicht einfach zu finanzieren ist. Und da geht es nicht nur um Skikurse und große Dinge. Da geht es vielleicht auch um den einen oder anderen Kinobesuch oder Wandertag oder auch schlichtweg eine Ausstattung vom Taschenrechner, der verloren gegangen ist oder auch digitale Medien,
[00:19:34] also Tablets und Computer, Laptops oder was auch immer man so als Unterrichtsmittel braucht. Und ich finde das sehr schade. Und da habe ich das Gefühl, da hat sich viel verändert. Also ich bin ja eine Schülerin der 70er Jahre, Schulbuchaktion. Also ich muss sagen, ich wurde sehr gefördert. Ich bin dafür auch sehr, sehr dankbar und nehme das aber heute anders wahr. 365 über Medien reden. Auf vsum.tv oder auf allen gängigen Podcast-Plattformen finden sich sämtliche Gespräche aus dieser Reihe.
[00:20:04] Vielleicht interessieren Sie auch noch drei andere Gespräche mit Expertinnen aus der Welt der Psychotherapie. Folge 954 mit Peter Stippel, Folge 955 mit Ingrid Jagiellot oder die Folge 956 mit Hertha Wimberger-Sperker. Jetzt gibt es auch in Weiterführung dieses Gedankens die gefühlte Armut. Also die, die sich darüber formuliert im Vergleich mit den Schulkolleginnen und Schulkollegen.
[00:20:31] Also alle in meiner Nobelschule fahren nach Lech, Skifahren, ich fahre nur nach Schladming. Dann fühle ich mich auch arm und es belastet meine Psyche und ich kriege Angst vor der Zukunft. Wieso ist das eigentlich so? Das ist eine gute Frage. Wieso ist das so? Also wieso sind die Dinge so, wie sie sind? Sie könnten ganz anders sein. Ich denke, es ist eine Frage der Bildungspolitik. Ich denke, es ist auch eine Frage, was uns Bildung als Investition in die Zukunft wert ist.
[00:21:01] Und das ist das, was ich jetzt anspreche, wo ich angesprochen habe schon, dass ich in den 70er Jahren ganz anders wahrgenommen habe, 80er, 90er Jahre. Das ist mein subjektiver, sehr persönlicher Eindruck, dass dem politischen System auch und damit ja auch der gesamten Gesellschaft Bildung sehr viel mehr wert war, als ich das Gefühl habe, dass es heute ist. Und wie kommt es dann zu diesen personalen, diffusen Zukunftsängsten von den Kindern? Also zum Beispiel,
[00:21:30] dass ich eben nicht das Gleiche habe wie die anderen. Und entstehen durch solche wirtschaftlichen Aspekte, wie wir gerade besprochen haben, oder auch durch diese Machtstrukturen im Bildungsbereich, die es immer noch gibt, dann diese eingangs erwähnten Zukunftsängste der Kinder? Ja, ich denke schon, weil man natürlich dann das Gefühl hat, na ja, der hat eine bessere Schule, die hat schon einen besseren Ruf, der hat andere Möglichkeiten, der macht ein Auslandssemester oder in den Ferien einen Sprachkurs in England oder wo auch immer,
[00:21:59] um seine Sprachfähigkeiten zu verbessern. Und dann hat man schon das Gefühl, oh, ich kann da gar nicht mithalten. Und dann kommt dazu, dass vielleicht Lehrer da dann noch sehr loben für diese Schüler, die dann im September kommen und perfekt Englisch sprechen können. Das macht es schwierig. Und da ist es vielleicht auch ein bisschen oder wäre vielleicht gut, den Schülern zu sagen, man hat immer die Möglichkeit, sich zu verbessern oder etwas zu tun oder was man besser machen kann. Aber ich denke,
[00:22:28] es ist wichtig, den Schülern zu kommunizieren und zu sagen, dass man auch akzeptieren muss, was man nicht verändern kann. Und dennoch habe ich immer noch Möglichkeiten, etwas zu tun oder anders zu tun. Und meine Erfahrung ist auch, dass nicht nur diese einfachen oder wie soll ich sagen, materiellen Dinge den Wert eines Menschen ausmachen. Und auch in meiner Karriere habe ich erlebt, dass Menschen, die so bevorteilt groß werden, manchmal an kleinen Dingen scheitern.
[00:22:58] Da sind wir ja jetzt sowieso bei der Aufgabe von Bildung. Ist Bildung nur Wissenstransfer? Ich hoffe nicht. Also wir haben einen Rahmenlehrplan in Österreich und ganz vorne steht das allgemeine Bildungsziel. Und da geht es um ganz viele zwischenmenschliche Dinge. Da geht es um Demokratie. Da geht es um unser faires Miteinander. Da geht es um Umweltschutz, das eigentlich in allen Fächern Einzug halten sollte. Und ich denke, das steht nicht umsonst ganz am Anfang
[00:23:28] des Lehrplans. Es wird auch nur manchmal sehr überlesen, hätte ich das Gefühl, weil sich viele Lehrer heute am Schulbuch orientieren. Das hat natürlich eine Riesenfülle an Wissen beinhaltet. Ich denke, weniger wäre mehr. Und sich wieder auf diese Grundprinzipien des Lebens auch zu fokussieren, hielte ich für ganz, ganz wichtig. Haben wir es da auch wieder mit einem Angstphänomen zu tun, dass die Pädagoginnen und Pädagogen Sorge haben, dass man ihnen vorwirft,
[00:23:57] sie hätten den Lehrplan nicht durchgebracht? Ja, ich kann diese Angst nicht nachvollziehen, muss ich ganz ehrlich sagen, denn es ist ein Rahmenlehrplan und ich darf und habe die Freiheit und das ist das Schöne auch an diesem pädagogischen Beruf, dass ich verantwortungsvoll natürlich und begründbar auswähle, was ich forciere, wo ich Schwerpunkte lege und wo nicht. Natürlich haben wir das Thema der Parallelklassen, der zentralen Reife- und Diplomprüfung, wo natürlich man schaffen muss, was auch die Kollegen machen,
[00:24:26] aber ich denke, es ist eine Frage der Kommunikation. Man kann auch Kolleginnen sagen, das habe ich nicht geschafft, das lassen wir bitte draußen. Karin Fiedler, zum Schluss noch eine Einladung an Sie oder auch ein bisschen eine Anfrage. Ohne dass Sie jetzt eine These vertreten oder ohne dass Sie schon eine Antwort geben. Was ist ein Themenkreis, von dem Sie glauben, womit wir uns in unserer Gesellschaft beschäftigen sollten? Was ist so eine Frage, die sich gerade aufdrängt für Sie,
[00:24:56] ohne dass Sie schon wissen, wie es ausgeht? Eine schwierige Frage, weil mir würden viele Themen einfallen, aber ich denke, Solidarität, Zusammenhalt, vielleicht auch das Bewusstsein, dass wir alle im selben Boot sitzen, vielleicht auch das Bewusstsein, wir sind nur Gast auf Erden und können diese Zeit, die uns geschenkt wurde, bestmöglich nutzen. Vielleicht weniger Egoismus, sondern wieder ein faires Miteinander, mehr Toleranz.
[00:25:25] Toleranz ist ein gutes Wort, denke ich. Das würde viel ermöglichen. Herrin Fiedler, vielen Dank für die Zeit, vielen Dank für die Expertise und bis bald wieder. Ja, vielen Dank für die Möglichkeit und danke nochmals für das großartige Engagement. Mal. 365. Ein Angebot von VSOM, dem Verein zur Förderung eines selbstbestimmten Umgangs mit Medien, hergestellt von Inspiris Medienproduktion. Falls Sie die Arbeit von VSOM und diesen Podcast unterstützen möchten,
[00:25:53] dann abonnieren Sie 365 auf allen Podcast-Plattformen wie Spotify, Castbox, iTunes oder Soundcloud und überall, wo es Podcasts sonst gibt. Der Verein zur Förderung eines selbstbestimmten Umgangs mit Medien finanziert seine Aktivitäten durch Mitgliedsbeiträge und Spenden. Falls Ihnen Medienbildung und Demokratie auch ein Anliegen sind, dann freuen wir uns, wenn Sie uns mit einer Spende unterstützen möchten. Dazu finden Sie Informationen auf der Webseite www.vsum.tv
[00:26:23] In diesem Sinne, bis morgen.
