Zur Einstimmung auf das Symposium "Angst vor dem Leben? Wie Kinder und Jugendliche Mut, Sicherheit und Vertrauen entwickeln können", das am 08. Mai 2026 in Linz stattfindet, hören Sie in den nächsten Tagen Gespräche mit Persönlichkeiten, die sich rund um das Thema verdient gemacht haben.
Roland Bernhard ist Professor für Schulentwicklung, Leadership und Führungskultur an der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien/Niederösterreich. Als Privatdozent sieht er seine Mission darin, empirisch gesichertes Wissen über Schulqualitätsentwicklung, effektives Schulleadership, wirksamen Unterricht und Charakterentwicklung in der Schulpraxis auch ankommen zu lassen.
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Redaktion & Moderation: Golli Marboe, Gestaltung & Produktion: Iris Haschek, Schnitt: Caritas Koren, Musik: Michael Pogo Kreiner
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[00:00:09] Zur Einstimmung auf das Symposium Angst vor dem Leben, wie Kinder und Jugendliche Mut, Sicherheit und Vertrauen entwickeln können, das am 8. Mai 2026 in Linz stattfindet, hören Sie in den nächsten Tagen Gespräche mit Persönlichkeiten, die sich rund um das Thema Verdienst gemacht haben. Roland Bernhard ist Professor für Schulentwicklung, Leadership und Führungskultur an der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule wie Niederösterreich.
[00:00:36] Als Privatdozent sieht er seine Mission darin, empirisch gesichertes Wissen über Schulqualitätsentwicklung, effektives Schul-Leadership, wirksamen Unterricht und Charakterentwicklung in der Schulpraxis auch ankommen zu lassen. Heute bei 365 und bei Mental Health Radio Golli Marboe.
[00:00:58] Golli Marboe, Ihr habt zwei Enkelkinder und meine Enkelin Alma, die geht in die zweite Klasse Volksschule und ich darf nach wie vor berichten, nach Rücksprache mit ihr, dass sie jeden Tag gerne in die Schule geht, weil es schön ist etwas zu lernen. Warum kommt denn bei so vielen Erwachsenen und Jugendlichen und Kindern später neben der Freude am Lernen auch die Angst dazu?
[00:01:18] Also ich glaube, die Angst ist ein sehr wichtiges Thema in unseren Schulen und wir sehen einen unglaublichen Anstieg der Angst.
[00:01:29] Eigentlich in den letzten Jahren, seit dem Jahr 2022. Ich habe mit dem Bundesverband für Psychotherapie gemeinsam gearbeitet und wir haben uns die Daten angeschaut zu den Suiziden von 2021 und 2022 und wir haben festgestellt, dass die Suizide von den Erwachsenen haben sich vermehrt, aber die Suizide von den Kindern haben sich verdoppelt innerhalb von einem Jahr.
[00:01:51] Und wir haben uns dann gedacht, das ist ja unglaublich, da muss man irgendetwas dagegen tun und diese Probleme, die wir in Österreich sehen, die sind auch auf internationaler Ebene sichtbar. Es gibt zahlreiche Studien, die belegen, dass Angststörungen, depressive Störungen und so weiter total am Vormals sind. Es gibt Studien, die sagen, einer von fünf hat ein psychisches Problem in der Schule.
[00:02:14] Es gibt die große Harvard-Studie, das Global Human Flourishing Programme. Die haben sich angeschaut, das ist die größte Studie aller Zeiten, die gemacht wurde um das Flourishing. Also da geht es nicht nur um psychische Gesundheit, sondern da geht es wirklich um ganzheitliches Aufblühen von Menschen. Und die haben sich das auch angeschaut, wie schaut das aus in 22 verschiedenen Ländern und dann ist man darauf gekommen, die jungen Leute, denen geht es am schlechtesten.
[00:02:37] Das ist tatsächlich ein Aspekt, wo man nicht die Augen davor verschließen kann, sondern wo die Schule Lösungen anbieten muss und wo die Schule etwas dagegen tun muss, dass es den Kindern so schlecht geht. Und ich glaube auch schon tut, aber sich noch weiter verbessern kann.
[00:02:59] Jetzt ist es in meiner Beobachtung so, dass wir nach wie vor in diesem Dilemma stecken, dass viele Pädagoginnen und Pädagogen die Schule als etwas betrachten, wo sie vor allem Wissenpransfer betreiben müssen. Weil der Lehrplan sie dazu zwingt, weil in den höheren Schulen die Matura und die Zentralmatura sie da verpflichtet, die Kinder gut vorzubereiten.
[00:03:17] Und inwiefern entwickeln sie Methoden und entwickeln sie auch Vorschläge, um diesen Pädagoginnen und Pädagogen das Handwerkszeug zu geben und auch die Selbstsicherheit, dass sie sich auch um andere Fragen im Unterricht kümmern dürfen? Also ich glaube, wir müssen mal prinzipiell sehen, dass Angst ein großes Problem ist und dass die Kinder Prüfungsangst und alle möglichen Ängste haben.
[00:03:44] Und dass es dort dann auch die Ideen gibt, dass man deshalb Leistung oder besonders Leistung aus der Schule hinausnimmt und dass man die Anforderungen herunterstellt. Ich glaube nicht, dass das der richtige Weg ist. Und zwar deshalb, wir haben ja, Perma ist wahrscheinlich ein Begriff in der positiven Psychologie, was macht Menschen glücklich? Und da gibt es verschiedene Elemente. Was sind die Elemente des Glücklichseins?
[00:04:09] Das sind die positiven Emotionen, das sind die Beziehungen, also positive Emotions, Relationships, Meaning, also dass man Sinn findet in den Dingen, die man tut. Aber auch Achievement. Und Achievement ist Leistung. Also Menschen, junge Menschen müssen ihre Leistung spüren, müssen Selbstwirksamkeit spüren. Und das ist ein wichtiges Element auch ihrer psychischen Gesundheit.
[00:04:35] Und ich glaube, wenn man davon ausgeht, dass Kinder Leistungen erbringen sollen und müssen und dass das gut ist, dann ist auch wichtig, dass wir eine Fehlerkultur haben, die positiv ist. Dass Fehler als etwas gesehen werden, dass ein Weg ist oder dass das Elemente sind auf einem Weg zu einem Ziel hin. Und da gibt es eine interessante Theorie, die wir auch den Lehrkräften und den Schulleitungen, mit denen wir arbeiten, immer wieder vorstellen. Das ist die Growth Mindset Theorie von Carol Dweck.
[00:05:04] Und die geht davon aus, oder das Zentrum dieser Theorie ist die Frage, woraus resultiert der Erfolg von Menschen? Und da gibt es Menschen mit einem sogenannten Fixed Mindset, die glauben, dass der Erfolg daher resultiert, dass ich eben eine angeborene Intelligenz habe, die nicht veränderbar ist. Und dass ich angeborene Persönlichkeitseigenschaften habe, die ich auch nicht verändern kann. Und dass sozusagen irgendwo der Erfolg darum in meinen Genen liegt. Das ist Fixed Mindset. Und da gibt es Growth Mindset.
[00:05:33] Und das Growth Mindset geht davon aus, dass ich meine Intelligenz verändern kann. Und das ist ein Faktum. Ich kann meine Intelligenz verändern, indem ich viel liese, indem ich mich interessiere für die Welt, indem ich lerne. Und das Erfolg durch Anstrengung, durch Lernen und durch persönliche Entwicklung, dass das die Grundlagen für den Erfolg sind. Und nicht eine angeborene Intelligenz oder angehörige Persönlichkeitseigenschaften. Und dass ich auch an meiner Persönlichkeit arbeiten kann.
[00:06:01] Und es zeigen zahlreiche Studien, dass Menschen mit einem Growth Mindset in vielen Bereichen des Lebens viel besser abschneiden als Menschen mit einem Fixed Mindset. Und deshalb ist es unbedingt notwendig, dass wir solche Theorien auch den Lehrkräften und den Schulleitungen vermitteln. Und dass wir ihnen helfen, in dem Sinn auch Fehler als einen Weg hin zu einem Ziel zu sehen. Und da gibt es zum Beispiel ganz konkret eine Idee von Carol Dweck.
[00:06:27] Das ist die Stanforder Psychologin, die den Growth Mindset Theorie aufgebaut hat und bekannt gemacht hat. Sie nennt das the power of yet. Wenn ein Kind zum Beispiel sagt, ich kann die Siemerreihe nicht, dann sagt die Lehrkraft oder der Vater des Kindes, du kannst die Siemerreihe noch nicht. Und womit die dann implementiert, wenn du dich anstrengst und wenn du dich bemühst, dann kannst du es schaffen.
[00:06:53] Und ich glaube, das ist ein wichtiges Element, auch für die Persönlichkeitsbildung von Kindern, dass wir hier das Growth Mindset entwickeln. Ich habe eine Tochter, die ist irgendwann mal zu mir gekommen und hat gesagt in der zweiten Klasse Volksschule, sie kann das 1x1 nicht. Und sie hatte so eine Lehrerin, eine total tolle Lehrerin, die hat aber, so wie sie das auch gehört in der Volksschule, das muss man lernen, das 1x1. Und die hat wirklich jede Woche einen Test gemacht mit 100 Fragen, einfach mit 100 1x1 Rechnungen.
[00:07:23] Und sie hat gesagt, ich bin da nicht gut gewesen. Und dann habe ich ein Programm gezeigt am Computer, das gab es damals von der Uni Wien, so einen 1x1 Trainer. Und sie hat dann wirklich stundenlang mit diesem 1x1 Trainer extrem motiviert und hat stundenlang 1x1 geübt. Und da ist auch die Zeit rinz runter und da muss man innerhalb von einer gewissen Zeit dann die entsprechenden Reihen dann alle richtig haben und so. Und sie ist dann das nächste Mal bei dem Test, hatte sie 100 Punkte und war die erste fertig.
[00:07:52] Und das war für sie, glaube ich, ganz, ganz wichtig. Eine unglaublich wichtige Lektion fürs Leben. Wenn ich mich anstreng und wenn ich mich bemühe, dann komme ich weiter. Und das, glaube ich, ist etwas, was wir in der Schule weitergeben müssen. Und in dem Zusammenhang vielleicht deshalb sind auch die Musikinstrumente so wichtig.
[00:08:13] Wenn ich Flöte spiele oder wenn ich Geige spiele oder Klavier, dann merke ich Growth Mindset in der ganz konkreten Realität meines Lebens. Weil wenn ich übe oder wenn ich Fußball spiele, wenn ich übe, dann wäre ich besser. Und ich glaube, das ist ein wichtiger Aspekt in diesem Zusammenhang. Sollten Sie sich in einer seelischen oder psychischen Krise befinden und Hilfe suchen, dann können Sie sich an die Telefonseelsorge wenden unter 142.
[00:08:41] 24 Stunden, sieben Tage in der Woche lang. Oder wenn Sie lieber chatten, dann unter telefonseelsorge.at und dann auf Sofortchat klicken. Oder wenn Sie persönlich Hilfe benötigen und das im persönlichen Gespräch machen möchten, dann gibt es auch noch das Kriseninterventionszentrum, kriseninterventionszentrum.at.
[00:09:05] Sie werden es ahnen, dass ich jetzt mit der Nachfrage komme, wo führt das hin, wenn ich mich sozusagen ständig verbessern will. Führt das nicht zu der Problematik, dass ich perfekt sein möchte? Und Perfektionismus ist, wie man zumindest langläufig sagt, das größte Übel für die Psyche, das es nur gibt, weil ich werde nie ankommen und darf mich daher über das Erreichte nie freuen.
[00:09:29] Wie kann man neben dieser verständlichen und nachvollziehbaren Theorie, dass ich mich freue, wenn ich etwas erreichen konnte, dann trotzdem auch den Kindern vermitteln, wenn sie ihr Social-Media-Profil erstellen, dass die etwas anders gewachsenen in Asia oder die Sommersprossen auch eine Qualität darstellen, obwohl sie ein vermeintlicher Fehler sind, weil sie nicht der Norm entsprechen? Also ich glaube prinzipiell, was wir in der Schule brauchen, das ist vielmehr Persönlichkeitsbildung.
[00:09:54] Und Persönlichkeitsbildung beinhaltet auch das Einfühlen in die eigenen Emotionen anzuschauen, wie es mir geht und das Entwickeln von Charakterstärken. Ich möchte da vielleicht einen Aspekt aufgreifen, der derzeit in der internationalen Forschung zur Persönlichkeitsbildung stark diskutiert wird, und das ist dieses Flourishing, Education for Human Flourishing.
[00:10:18] Im Jahr 2025 gab es eine Publikation von der OECD, die gesagt hat, wir werden jetzt von der Humankapitaltheorie, und das ist genau die Theorie, die sie da gesagt haben, wir müssen immer besser, wir müssen immer weiter, das muss alles immer wachsen, das muss alles immer größer werden, dass die OECD jetzt von dieser Humankapitaltheorie immer stärker weggehen möchte. Und genau deshalb, weil sie gesagt haben, wir haben gesehen, dass die zu psychischen Problemen in der ganzen Welt geführt haben.
[00:10:46] Menschen mit den besten PISA-Tests oder Länder mit den besten PISA-Tests haben hohe Suizidraten. Oder Peru zum Beispiel, Peru hat ganz schlechte PISA-Tests, aber die Menschen sind total glücklich in Peru. Und insofern hat die OECD gesagt, und wir haben eine Konferenz im Jahr 2025 hier in Wien organisiert, ich bin auch der Mitbegründer und Vorstandsmitglied der European Character Virtues Association, da haben wir eine jährliche Konferenz. Und die Konferenz war zum Thema, what makes a life a flourishing?
[00:11:15] Also was macht ein Leben des Aufblühens? Und dann exploring the intersections between character, dann auch diese Kompetenzen, die ja trotzdem notwendig sind, und Lebenskompetenzen. Und da war eben auch der Andreas Schleicher, der Direktor von der OECD für Education and Skills. Und der hat uns das beschrieben, dass jetzt das Thema der Persönlichkeitsbildung ganz stark in den Mittelpunkt und in den Fokus rücken muss und wird.
[00:11:42] Weil es eben darum geht, dass Menschen Charakterstärken aufbauen, die ihnen auch helfen, so wie Sie das vorhin gesagt haben, sich selbst zu akzeptieren. Sich selbst zu akzeptieren, die anderen zu akzeptieren, nicht einem Perfektionismus zu frönen und nachzulaufen, wo es um die Optimierung geht im Sinne der alten Humankapitaltheorie, sondern wo Mitgefühl, wo Freundlichkeit und all diese Themen, die seit Aristoteles, Aristoteles ist ja der Vater der Persönlichkeitsbildung,
[00:12:12] seit Aristoteles wichtig sind und diese alten Themen auch wieder zu entdecken. Und ich glaube, das ist ein wichtiger Punkt. Heute nennen wir das Neudeutsche die 21st Century Skills. Kreativität, Kommunikationsfähigkeit, Teamfähigkeit und Fragen stellen statt Antworten zu reproduzieren, oder? Ja, genau. Es sind die 21st Century Skills, aber da ist schon wieder dieses Skill-Element drinnen. Und das Skill-Element ist auch abgelöst von jeglicher Ethik eigentlich.
[00:12:41] Weil Skills, ich kann sagen, Adolf Hitler hatte auch ziemliche Skills. Und Stalin hatte auch Skills. Aber was jetzt auch die OECD und was wir in der Persönlichkeitsbildungsforschung jetzt stark voranbringen, ist, es reicht nicht nur Skills zu haben oder Performance Virtues, wie wir das nennen, sondern es braucht auch wieder die Rückbesinnung auf das Moralische im Sinne von der Freundlichkeit, von Höflichkeit, von Mitgefühl, von Dankbarkeit und so weiter. Ich wollte jetzt noch einen Aspekt, den Sie vorhin angesprochen haben,
[00:13:11] was im Zusammenhang mit diesem ständigen Optimierungswahn eine Relevanz hat. Und zwar ist das die Charakterstärke der Dankbarkeit. Wir arbeiten sehr stark mit unseren Schulleitungen und mit unseren Lehrkräften an Elementen oder an Tools, mit denen Sie die Dankbarkeit im Unterricht und in der Schule fördern können. Und das hat einen ganz wichtigen Grund. Es gibt in der positiven Psychologie in den letzten Jahrzehnten ganz, ganz viel Forschung darüber,
[00:13:38] wie stark die Charakterstärke der Dankbarkeit mit psychischer Gesundheit von Menschen zusammenhängt. Es gibt kaum eine andere Charakterstärke, die so stark mit psychischer Gesundheit korreliert, wie die Dankbarkeit. Und das ist irgendwo ein Schatz, den wir noch überhaupt nicht gehoben haben. Ich glaube vor allem auch in Österreich, wo irgendwo, sagen wir mal, sich über alles aufreicht. Und wir sind ja erst vor kurzem auch zum unfreundlichsten Land der Welt gewählt worden. Und ich glaube jetzt sind wir in der drittunfreundlichsten Land.
[00:14:06] Und ich glaube, da ist das Thema der Dankbarkeit ein sehr wichtiges Thema. Und da geht es darum, einfach auch auf das Positive im eigenen Leben zu schauen und immer wieder mit den positiven Dingen sich zu beschäftigen. Auch wenn man vielleicht nicht viel Positives hat, das wollten Sie wahrscheinlich gerade, aber auch wenn man nicht viel Positives hat, ist es total gut. Und es gibt viele Studien, die zeigen, dass man trotzdem zum Beispiel jeden Abend sich überlegt, drei Dinge, für die man dankbar ist. Und dass man dann, das ist eine Dankbarkeitsintervention
[00:14:34] und diese Dankbarkeitsintervention sind massiv mit einem Rückgang von Angst und mit dem Rückgang von Depressionen, wurden in Verbindung gebracht. Man überlegt sich drei Dinge, für die man dankbar ist. Und man überlegt dann, wie ist es zu diesen Dingen gekommen und was können Sie morgen tun, damit es wieder zu diesen Dingen kommt. Und diese Intervention, die hunderttausende Menschen auf der ganzen Welt machen, hat jetzt wahrscheinlich keinen so starken heilenden Effekt, wenn ich schon total psychisch krank bin.
[00:15:04] Aber es hat einen sehr starken präventiven Effekt und kann ganz leicht in einen Morgenkreis in der Schule zum Beispiel integriert werden. Da komme ich, nachdem Sie diese berühmte Murmelübung gleich beschrieben haben, dass man sich in der Früh in der einen Hosentasche die drei Murmeln rechts reinsteckt und jedes Mal, wenn man was Schönes erlebt, steckt man sie nach links und dann am Abend denkt man eben darüber nach, wie sind diese drei Murmeln von der rechten in die linke Hosentasche gekommen. Okay. Großartig und wichtig. Eine Frage habe ich aber an Sie,
[00:15:32] weil die Dankbarkeit ist völlig nachvollziehbar, ist ganz was Wunderbares und was Richtiges. Aber wie soll ich von der Konzentration auf die Fehler den Übergang zur Dankbarkeit finden, wo ich ja eigentlich dann eben mit dem Status Quo zufrieden sein muss, dass ich eben auch Fehler mache? Ja. Steht das nicht im Widerspruch? Oder wo kann ich auch Ihre Tochter abholen, die das Einmaleins lernen muss? Und das verstehen wir alle und wir haben diese Grundvoraussetzungen, die nötig sind, wie die Grundrechnungsarten.
[00:16:02] Aber irgendwann wollen wir doch dann, dass die jungen Erwachsenen eben dieses Reproduzieren von Antworten, die andere formuliert haben, ablegen und zur eigenen Suche finden, die von ihnen bestimmt wird. Ja, also ich glaube, wir haben eine ganz große europäische Studie, die ich leite, wo wir über 40 Wissenschaftler und Wissenschaftler aus ganz Europa beteiligt sind, aus elf verschiedenen Ländern und wir haben Eltern und Lehrkräfte befragt, was im Zusammenhang mit Persönlichkeitsbildung ihnen wichtig wäre
[00:16:32] und welche Charakterstärken, dass sie möchten, dass die Schule anbahnt. Und da war dieses gute Urteilsvermöge oder das kritische Denken als einer der wichtigsten Elemente, einer der wichtigsten Charakterstärken, die Eltern und Lehrkräfte möchten, dass Schule vermittelt. Beziehungsweise nicht vermittelt, weil wir vermitteln kritisches Denken, sondern wir helfen den Kindern nachzudenken, faktenbasiert nachzudenken, über ihr Leben, über die Welt. Und deshalb sagen wir,
[00:17:01] dass das Ziel von Persönlichkeitsbildung eigentlich das kritische Denken ist oder das, was Aristoteles die Phronesis genannt hat. Das ist das gute Urteilsvermögen beziehungsweise die praktische Weisheit, dass man wirklich lernt, in verschiedenen Momenten abzuwiegen, was ist jetzt das Gute und Richtige, das er tun kann. Zum Beispiel in einer Situation, wo verschiedene Charakterstärken miteinander kollidieren, zum Beispiel die Loyalität gegenüber einem Freund oder die Ehrlichkeit gegenüber dem Lehrer, muss das Kind abwägen,
[00:17:31] muss mal sehen, dass es um eine moralische Frage geht und dann abwägen, welche Charakterstärken sind hier auf dem Spiel und dann eine Entscheidung treffen, die der Situation entsprechend ist. Und da gibt es dann auch keine ganz objektiven Kriterien, das zu machen, sondern es geht immer darum, dass dieser Mensch durch eigenes, kritisches Nachdenken zu einem begründeten Urteil kommen muss und dann entsprechend handelt. Heute bei 365
[00:17:59] der Professor für Schulentwicklung, Leadership und Führungskultur, Roland Bernhard. Aber wie leite ich diesen Prozess jetzt ein, frage ich den Bildungswissenschaftler, von auswendig lernen oder vom Nachvollziehen und Beherrschen des Einmaleins hin zum kritischen Bewusstsein. Wie begleiten wir den in der Schule, damit keine Angst entsteht, dass ich etwas falsch mache, wenn ich auf einmal suche oder wenn ich auf einmal auch andere als rein faktische,
[00:18:30] evidenzbelastbare Dinge für meine Entscheidung heranziehe. Also es gibt innerhalb der Persönlichkeitsbildungsforschung gibt es das sogenannte Oxford Character Project und die schauen sich, wie Charakter sich entwickelt. Das ist ganz neue, spannende Daten. Und da ist der erste Weg, das sind die sieben Wege der Charakterentwicklung, der erste Weg, der kommt von Aristoteles, der ist schon einfach mal nur die Gewöhnung, die Habituierung. Ich bin zum Beispiel ängstlich,
[00:19:00] generell ängstlich, aber ich bemühe mich mutig zu sein und immer wieder mich in Situationen hinein zu begeben, in die ich meine Angst verwinden muss. Und beim ersten Mal ist das total schwierig. Und so überschreibt es Aristoteles. Beim ersten Mal ist das total schwierig, beim zweiten Mal ist das auch schwierig. Aber wenn ich das immer und immer wieder mache, entwickelt sich so, wie er dazu gesagt hat, eine Tugend und dann fällt es mir viel leichter in verschiedenen Situationen sozusagen auch meine Angst zu erwähnen. Das ist einmal diese Habituierung. Dann die kritische Reflexion
[00:19:30] über vergangene Erfahrungen. Das ist der zweite Punkt. Ich muss darüber nachdenken, über die Erlebnisse, die ich gehabt habe. Deshalb schlagen wir vor, Journaling zu betreiben, Tagebücher zu schreiben und nachzudenken über die eigene Charakterentwicklung, über die eigene Persönlichkeitsbildung. Und das dritte ist dann auch Vorbilder. Man liest in der Literatur oder hat im Leben Menschen, die einen beeindrucken, weil sie unglaublich tolle Menschen sind und dann stellt man sich die Frage,
[00:20:00] was würde diese Menschen tun in dieser Situation? Und so gibt es mehrere Möglichkeiten, die mir dann helfen, diese Phronesis oder praktische Weisheit aufzubauen. Aber, und das ist wichtig, ich muss einfach dranbleiben. Ich kann das nicht dem Zufall überlassen und das haben wir in unserem Schulsystem noch nicht verstanden. Es gibt im deutschsprachigen Raum ganz, ganz wenig wissenschaftliche Literatur zum Thema Persönlichkeitsbildung. International boomt das Thema und viele Schulen machen einzelne Dinge,
[00:20:30] Lehrkräfte machen tolle Themen und tolle Initiativen im Bereich der Persönlichkeitsbildung, aber wir haben das noch nicht systematisch integriert in unser Schulsystem. Und ich glaube, weil es ist auch so, dass man kann nicht nicht Charakter bilden. Man geht in eine Klasse hinein und so wie die Lehrkraft agiert, bildet Charakter. Die Frage ist nur, machen wir das bewusst, reflektiert und machen wir es gut oder überlassen wir das den Zufall? Dann bleiben wir gleich
[00:21:00] bei den Pädagoginnen und Pädagogen. Da habe ich an Sie die Nachfrage, wie wir mit dieser Diskrepanz umgehen können als Pädagoginnen, als Lehrer, Schülerinnen, dass wir einerseits die Kinder begleiten bei deren Entwicklung und sie nachher auch beurteilen müssen. Ja, das ist eine schwierige Frage und aber das Schulsystem hat sich eben so entwickelt und es muss irgendwo auch eine Beurteilung geben, weil die Schülerinnen und Schüler
[00:21:29] verlangen danach, dass man auch, wenn sie etwas abliefern, dass dann auch entsprechend das honoriert wird. Das ist auch etwas Positives. Stimmt, aber ich möchte natürlich auf den Aspekt hinaus Macht und Angst und Machtfaktor Benotung. Auch, wir können jetzt auf der einen Seite von den sympathischen und sympathischen Pädagoginnen ausgehen, die sich über all das, was Persönlichkeitsentwicklung betrifft, Gedanken machen, aber wir haben es durchaus auch mit einer Gruppe von Pädagoginnen
[00:21:59] und Pädagogen zu tun, die vielleicht noch nicht so tief im Thema drin sind. Genau, und da sehen Sie wieder, um was es da geht, es geht auch um die Persönlichkeitsbildung von Pädagoginnen und Pädagogen. Ich glaube, was wir brauchen in unseren Schulen und generell in der Gesellschaft ist eine vollkommen andere Leadership-Kultur, weil wir haben immer noch so die Idee, dass ich bin der Chef und ich sage, was du zu tun hast und das ist Leadership, aber Leadership bedeutet, dass ich andere wachsen lasse. Leadership bedeutet, dass ich wirklich dazu beitrage, dass es anderen gut geht.
[00:22:29] Und es gibt eine Studie von Fred Kiel im wirtschaftlichen Bereich und die haben sich angeschaut, charakterstarke Unternehmerinnen und Unternehmer in 93 Schulen, also man hat den Charakter messen lassen durch die Rückmeldungen von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von diesen einzelnen Unternehmen und dann hat man die gerankt, also die, die die besten Bewertungen hatten und die die schlechtesten Bewertungen hatten und man hat sich die charakterstärken Mitgefühl,
[00:23:00] Vergebungsbereitschaft, Verantwortungsbewusstsein und noch irgendetwas angeschaut und dann hat man verglichen, wie hoch der Return on Investment ist zwischen diesen beiden Gruppen, also zwischen den schlechtesten 10 und den besten 10 und das wurde dann im Harvard Business Review veröffentlicht, fünfmal so hoch bei den CEOs, die hohe Charakterstärken aufweisen, war der Return on Investment, also die Rendite auf eingesetztes Kapital fünfmal so hoch, so wir können wirklich sagen, dass Charakter Leadership, was bedeutet Leadership
[00:23:29] mit Mitgefühl, mit Charakterstärken, tatsächlich auch wirtschaftlich ein wichtiger Faktor ist und ich glaube, das kann man auf die Schule beziehen und ich glaube, da haben wir eine Schwierigkeit auch mit dem Classroom Management in österreichischen Schulen und es gibt eine Studie von einem Bildungswissenschaftler, der sagt, dass gerade das Thema Classroom Management in der Lehrerbildung im deutschsprachigen Raum total unterbelichtet ist und dann gehen Lehrkräfte in Schulen, die wissen nicht, wie man in einer wertschätzenden Art und Weise mit einer Klasse umgeht,
[00:23:59] es gibt so viele kleine Tipps und Tricks, wie man sozusagen die Aufmerksamkeit einer Klasse bekommt und hält, das lernen wir nicht und dann gehen diese Lehrkräfte in eine Klasse, die Klasse wird immer lauter und irgendwann schreien sie, dann ist zehn Minuten ruhig und dann geht das Ganze wieder von vorn los und dann geht es den Kindern schlecht und der Lehrkraft geht es auch schlecht, weil sehr viele Lehrkräfte gehen in den ersten Jahren, nachdem sie in einer Schule angefangen haben, verlassen sie ihren Job, weil sie im Burnout sind und das Classroom Management ist einer der wichtigsten Dinge
[00:24:30] oder einer der wichtigsten Gründe, wenn das Classroom Management nicht funktioniert, einer der wichtigsten Gründe dafür, dass sie auch die Schule wieder verlassen und deshalb glaube ich, auch hier zu lernen, wie ich eine Klasse führe in einer wertschätzenden Art und Weise mit vielen Tipps und Tricks, wir machen dazu an unserer Hochschule viele Kurse in diesem Zusammenhang und haben Dinge auch gebracht aus dem Ausland, die hier auch den Lehrkräften gut helfen, Charakter, ein bisschen das Leadership auch im Zusammenhang
[00:24:59] mit dem Classroom Management umzusetzen. Also Selfcare auch im Umgang mit den eigenen Ängsten, die Erwachsene selbstverständlich genauso haben wie die Schülerinnen und Schüler. Genau, das ist ein zentraler Punkt als Lehrkraft, müssen sie einen wichtigen Fokus auf ihre Selfcare legen, weil sonst schaffen sie das nicht lange. Und da ist ja auch der große Unterschied zwischen Mitleid und Mitgefühl, wenn ich an mir selber etwas erkennen kann, dann kann ich auch mit wem anderen besser drüber reden. Genau, so sehe ich das auch.
[00:25:28] 365 über Medienreden. Auf vsom.tv oder auf allen gängigen Podcast-Plattformen finden sich sämtliche Gespräche aus dieser Reihe. Vielleicht auch interessant für Sie die Gespräche mit Oliver Scheibenbogen Folge 959 oder das Gespräch mit der Präsidentin des ÖBVB mit Barbara Heid Folge 666 oder das Gespräch mit einer ehemaligen Schulpsychologin Lisa Pongratz Folge 636.
[00:25:59] Jetzt haben Sie so oft von dieser Moral gesprochen oder von diesen Haltungen, die eine Pädagogin haben sollte. Aus welchem Pool holt man sich denn diese Orientierung und diese Werte? Das kann ja auch problematisch werden, dass ich aus einem Weltbild heraus agiere, das vielleicht nicht den demokratischen Richtlinien entspricht, das vielleicht einer oder unserem Verständnis einer liberalen Gesellschaft nicht entspricht. Wie kann man da Grenzen ziehen, damit keine Ängste entstehen, dass wenn zu viel
[00:26:29] Haltung transportiert wird im Schulumfeld, auf einmal Indoktrinierung passiert? Genau und deshalb ist ganz wichtig, dass Persönlichkeitsbildungskonzepte auf allgemein akzeptierte Charakterstärken beruhen. Deshalb haben wir sozusagen ein neo-aristotelisches Konzept entwickelt. Wir gehen zurück auf Aristoteles, der in der nikomarchischen Ethik sozusagen der Vater der Persönlichkeitsbildung ist und ganz allgemein akzeptierte Charakterstärken wie Respekt, wie Großzügigkeit, Dankbarkeit.
[00:26:59] Dankbarkeit kommt nicht von Aristoteles. Aristoteles hat nicht von Dankbarkeit gesprochen, deshalb reden wir von einem neo-aristotelischen Konzept, wo man auch Elemente der positiven Psychologie hineinnimmt. Also es bedarf eines Persönlichkeitsbildungskonzepts, das auch unterschiedliche Kulturen, unterschiedliche Religionen und unterschiedliche Menschen aus unterschiedlichen politischen Richtungen gutheißen. Und da haben wir eben diesen neo-aristotelischen Zugang zusammen mit der positiven Psychologie ein Konzept geschaffen,
[00:27:29] mit dem das möglich ist. Jetzt gibt es eben auch zahlreiche äußere Umstände. Einer dieser wichtigen äußeren Umstände ist die wirtschaftliche Situation der Menschen, die in die Schule gehen, die sich bilden lassen oder auch die lehren. Welche Rolle spielt Ihre Erfahrung nach im Umgang, gerade auch mit Angst, die sozialökonomische Ausgangslage? Also ich war eineinhalb Jahre an der Universität
[00:27:58] Oxford und habe ein Projekt geleitet in Schulen mit ganz starker sozialer Benachteiligung in London. Und das waren lauter Schulen, die ihre Kinder sehr weit gebracht haben. Also sogenannte Turnaround-Schulen, die irgendwann einmal Drogen Umschlagplätze waren, total am Boden. Uns haben Schulleitungen erzählt, sie mussten die Kinder bis zur Bushaltestelle bringen, weil auf dem Weg bis zur Bushaltestelle waren so viele Gangfights, dass die Kinder nicht sicher waren. Und trotzdem
[00:28:28] ist es diesen Schulleitungen gelungen, in einer Schule zum Beispiel, an die ich jetzt ganz konkret denke, dass im Jahr 2017 97% ihrer Kinder danach an die Universität gegangen sind. Und das sind Kinder aus Elternhäusern, die das normalerweise niemals tun würden, die nicht mal wissen, was eine Universität ist, die Angst haben davor, irgendwo Schritte zu setzen, auch in diese Richtung. Und ich glaube, dass Schulen in dem Zusammenhang,
[00:28:58] und das hat unsere Studie gezeigt, wir haben 43 Schulleitungen interviewt, die alle solche Prozesse initiiert haben, dass Schule wirklich die Möglichkeit hat, die Kinder aus den ärmsten Familien auch rauszuholen, ihnen die Angst zu nehmen, auch die Angst vor Leistung zu nehmen und ihnen wirklich zu helfen, einen Platz in dieser Gesellschaft auch einzunehmen, der ihnen sonst verschlossen wäre. Ich glaube, dass es viele Schulen gibt auf der ganzen Welt, die das belegen, das ist ein wichtiger Aspekt. Da geht es also dann um Persönlichkeitsbildung, da geht es um emotionale
[00:29:29] Kommunikation, da geht es um nonverbale Kommunikation. Genau, also die emotionale nonverbale Kommunikation ist total wichtig. Ich glaube, wenn wir in Schulen mit Menschen zu tun haben, denen es schlecht geht, oder auch in der Familie, wenn ein Jugendlicher sagt, die Schule geht mir so auf die Nerven, ich mag einfach nicht. Dann ziehen wir als Eltern oft, oder als Lehrkräfte, fühlen wir uns oft bemüßigt, dann zu sagen, naja,
[00:29:59] schau her, mir ist auch manchmal schlecht gegangen und ich habe dann das und das gemacht und so, und geben sofort Ratschläge, ohne dass wir diese Person überhaupt verstehen, was geht eigentlich in dieser Person vor. Und wir haben, das unterrichten wir auch in unseren Persönlichkeitsbildungsseminaren, eine empathische Art und Weise zu kommunizieren, das wäre, dass man dann nachfragt, naja, also man spiegelt die Gefühle des anderen und sagt, geht es dir gerade nicht gut in der Schule? Und dann sagt er, ja, irgendwie, es geht mir gerade nicht gut,
[00:30:28] weil Franz, der hat die Schule verlassen und verdient total viel und dann stellt man die Frage in einer empathischen Kommunikation, glaubst du, dass es dem Franz jetzt besser geht als dir und dass du, wenn du vielleicht auch eine Arbeit jetzt beginnen würdest, dass es dir dann auch besser gehen würde, bis man dann wirklich zum Grund kommt, warum es dem Kind gerade schlecht geht. Und da kommt man vielleicht drauf, es ist einfach die Mathe-Schularbeit, die er versemmelt hat und da findet man dann viele Lösungen, aber wenn ich
[00:30:57] von Anfang an aus meiner eigenen Perspektive antworte, dann sagt das Kind, ja, schau dir den Franz an, er hat die Schule geschmissen und jetzt, da verdient er total viel und dann sage ich wieder aus meiner eigenen Perspektive, ja, aber schau, der Franz wird später mal nichts verdienen, aber du wirst was verdienen, wenn du weitergehst und so und dann schaukelt sich das auf und ich verstehe das Kind nicht. Ich glaube, es ist ganz wichtig, dass wir, wenn wir von Kindern hören, die Probleme haben und uns die Probleme kommunizieren, dann wir wirklich
[00:31:27] nachfragen, immer weiter nachfragen, bis wir zum Grund dessen kommen, was dieses Kind wirklich bewegt und dann wird das Kind auch offen sein oder der Jugendliche auch offen sein, unsere Ratschläge anzunehmen und nicht sofort, bevor wir wissen, was das Problem ist, Ratschläge geben. Das Nachfragen fungiert hier eigentlich als Zuhören. Genau, das ist das empathische Zuhören und wir müssen aber zuhören, das kommt aus einem Persönlichkeitsbildungsmodell, das wird Leader in Me, das sind diese Seven Habits of Highly Effective
[00:31:56] People, das in die Schule integriert wurde von Stephen Covey und da ist ein wichtiger Weg von Menschen, die ihre Ziele im Leben erreichen, ist, dass man zuhört und zu verstehen und nicht gleich, wenn man zuhört, schon überlegt, was man darauf antwortet, was diese Person sagt, sondern wirklich listen first to understand und dann mach dich auch selbstverständlich. Prinzip der Telefonseelsorge ist hier eigentlich noch einmal auf die Schule übersetzt. Ah ja, okay. Die Angst,
[00:32:26] wie Sie einleitend schon gesagt haben, als Begriff und auch als diffuses Gefühl äußert sich bei vielen jungen Menschen gerade in der Sorge, wie wird meine Zukunft? Jetzt kann man natürlich sagen, Bildung hilft dir, dass deine Zukunft besser ausschauen könnte, aber wie kann man konkret den Menschen wieder ins Hier und Jetzt holen und wie kann da auch das Bildungssystem helfen, dass sich die diffusen Zukunftsängste, diese Sorgen, dass mein Leben eh nicht klappen kann, weil die Welt so grauslich sich entwickelt,
[00:32:56] ein bisschen relativieren hilft. Also ich glaube, dass es interessant ist, hier eine Unterscheidung einzuführen und zwar zwischen dem hedonistischen Wohlbefinden und dem eudaimonischen Wohlbefinden. Ich habe vorhin schon von Aristoteles gesprochen. Aristoteles hat diesen Begriff der Eudaimonia geprägt und Eudaimonia ist genau dieses Flourishing, das Aufblühen, das, wo alle Aspekte meines Lebens gut sind. Dann ist es sozusagen mein Leben ein Flourishing, ein Leben des Flourishings. Und das hedonistische Wohlbefinden und das eudaimonische Wohlbefinden
[00:33:26] sind zwei Konstrukte, die in der Psychologie unterschieden werden. Und das hedonistische Wohlbefinden ist das, was sehr viele Jugendliche anstreben und das ist der Spaß, den man eben hat. Und der ist verbunden mit dem Dopaminkick und ich brauche immer wieder, ich brauche bei TikTok immer das nächste Bild, das nächste Video und ich brauche die Schokolade, ich brauche noch eine Schokolade, ich brauche noch eine Schokolade. Das befriedet mich kurzzeitig, aber niemals langfristig. Und danach kehrt immer eine Leere ein und das ist verbunden mit dem
[00:33:56] Hormon Dopamin eben und da spricht man dann von der hedonistischen Tretmühle. Man ist in seinem Laufradl, im hedonistischen Laufradl, man ist drinnen und braucht immer mehr und immer mehr und das glaube ich, auch wenn jetzt Studien noch nicht belegen, dass das Handy einen kausalen Zusammenhang mit der psychischen Misere hat, die derzeit grassiert auf der ganzen Welt. Ich glaube schon, dass wenn Kinder den ganzen Tag eben, so wie Sie gesagt haben, auf TikTok
[00:34:25] die Welt sehen, wie sie eigentlich nicht wirklich ist, sondern wie sie von anderen inszeniert wird, dass das für sie nicht gut ist. Es gibt ihnen einen hedonistischen Kick, einen Dopamin-Kick, aber führt nicht zu langfristigen Wohlbefinden und dagegen stellt die Psychologie das eudaimonische Wohlbefinden und das eudaimonische Wohlbefinden ist auch mit schwierigen Phasen im Leben vereinbar. Da geht es um Sinn, da geht es um, dass man irgendetwas erreicht, dass man schwere Dinge macht
[00:34:55] und die dann auch überwindet. Da geht es um so Dinge wie Familie, enge Freundschaften, es geht um Beziehungen, die dann auf dieses eudaimonische Wohlbefinden einzahlen und auch zum Beispiel Charakterstärken wie die Dankbarkeit und Freundlichkeit. Wir wissen, dass zum Beispiel Freundlichkeit Charakterstärken sind, die sehr stark auch mit der psychischen Gesundheit korrelieren und weswegen die positive Psychologie auch in ihrer Charakterstärken klassifisch und Love eingefügt hat zum Beispiel. Es gibt random
[00:35:25] acts of kindness. Geh einfach irgendwo hin und tu für den anderen irgendetwas Gutes. Tu den anderen irgendetwas Gutes, das macht glücklich. Und sozusagen die ständige Suche nach dem Glück, wie das das hedonistische Wohlbefinden macht, führt im Endeffekt nicht zum Glück, sondern Glück ist ein Nebenprodukt eines Lebens, das mit Sinn erfüllt ist und wo man für die anderen etwas tut, wo man für andere ein Geschenk wird. Und ich glaube, das ist auch etwas, was wir vermitteln müssen. Vor allem wird Glück nur in
[00:35:55] Momenten auftauchen und kein Dauerzustand sein. Das ist ein bisschen wie der Orgasmus, der geht auch nicht auf Dauer. So zu sagen, genau. 365 Ein täglich wachsendes Mosaik zur Wirkung von Journalismus und Medien. Wie kann denn Psychotherapie in der Schule sinnvoll eingesetzt werden? Das Projekt der Schulpsychotherapie neben der Schulpsychologie, sehen Sie da eine Perspektive, sehen Sie da einen Sinn? Also wir haben ja eine Studie mit dem ÖBVB gemacht, im
[00:36:24] Österreichischen Bundesverband für Psychotherapie und haben auch über 70 Psychotherapeutinnen und Therapeuten befragt, wie man Resilienz und Charakterstärken in Schulen fördern kann. Und da wurde gesagt, einer der wichtigsten Elemente sind einmal diese Beziehungen, Beziehungen wirklich zu fördern, Erfahrungen zu ermöglichen, Outdoor-Erfahrungen und dort haben uns die Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten auch geantwortet, dass es unbedingt notwendig ist, dass wir mehr Psychotherapie
[00:36:54] in den Schulen brauchen. Wir brauchen sie für die Lehrkräfte, weil es geht den Lehrkräften wirklich nicht gut. Wir brauchen sie für die Schülerinnen und Schüler und wir brauchen sie für die Schulleitungen. Und deshalb glaube ich, dass es unbedingt notwendig ist, dass mehr Psychotherapie in Schulen ankommt. Da gibt es ja schon auch sehr gute Modelle, Fit for School und andere Modelle des ÖPVB zum Beispiel, wo Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten regelmäßig in der Schule sind und für die
[00:37:23] Kinder und für Lehrkräfte, manchmal vielleicht auch für Eltern eine Ansprechperson darstellen. Wie kann es eigentlich sein, dass die Pädagoginnen und Pädagogen entgegen aller anderen Sozialberufe in unserem Land noch keine verpflichtende Supervision haben? Ja, das ist eine sehr interessante Frage. Ich glaube, woran wir auch arbeiten müssen in unserem Land ist das Prestige von Lehrkräften, weil irgendwo, wenn sich Politiker damit in die Medien bringen mit dem
[00:37:53] Lehrer-Bashing und am Stammtisch die ganze Zeit Lehrkräfte auch negativ dargestellt werden, dann ist, glaube ich, ein Weg und ich habe das mit dem Bildungsministerium auch schon besprochen und habe das auch vorgeschlagen, ein Weg, um unser gesamtes Bildungssystem zu heben, ist es, dass wir Prestige-Kampagnen für Lehrkräfte machen. Zum Beispiel hat das Estland gemacht, im besten Vorabendprogramm, hat dann irgendein Star aus Estland gesagt, wie wichtig diese und
[00:38:22] jene Lehrkraft für sie war und was die Schule für sie bedeutet hat. Sobald Lehrkräfte mehr Prestige haben, haben Eltern mehr Respekt, haben die Schülerinnen und Schüler mehr Respekt und es hebt das ganze Schulsystem und wir sehen das überall, wo Lehrkräfte mehr Prestige haben, dort funktionieren die Dinge auch besser und ein Akt der Wertschätzung Lehrkräften gegenüber, wäre zum Beispiel eine Supervision ihnen anzubieten, für alle, die das möchten, also es soll nichts verpflichtend sein, ich bin dafür,
[00:38:52] dass man Lehrkräfte zu nichts verpflichtet und Schulen und Schulleitungen so wenig wie möglich zu Dingen verpflichtet oder ihnen etwas aufdrückt, sondern, dass man ihnen das anbietet, wenn sie das möchten, ich glaube, ist das für sie eine wunderbare Möglichkeit, auch wieder an der eigenen Persönlichkeitsbildung zu arbeiten, weil Psychotherapie, Supervision ist ja nichts anderes als Persönlichkeitsentwicklung und Persönlichkeitsbildung. Das bringt mich jetzt doch auch noch zur dritten Säule in der Schule zu den Erziehungsberechtigten und den Eltern. Woran denken Sie, liegt das,
[00:39:22] obwohl die Eltern doch nichts mehr lieben als ihre Kinder, dass sie dann trotzdem an der wichtigsten Lebenswelt der Kinder, nämlich an der Schule, so wenig Anteil nehmen, dass sie sich nicht einmal im Elternverein engagieren? Also ich würde sagen, vielleicht engagieren sie sich nicht im Elternverein, aber ich sehe da eine andere Tendenz, die besorgniserregend ist und zwar auch besorgniserregend im Hinblick auf das Thema, das wir hier besprechen, nämlich die Angst. Und zwar ist das, dass immer mehr Eltern
[00:39:51] alle Probleme ihrer Kinder aus dem Weg schaffen wollen und wenn das Kind das Turnsackerl vergisst oder die Mathehauswürmer zu Hause liegen gelassen, dann 40 Minuten in die Schule fährt und ein Kind das bringt oder wenn das Kind einen Streit gehabt hat mit der Freundin, dann ruft der Papa an bei der Mama von den anderen Kindern und sagt, ja, sollen wir das nicht besprechen, statt dass man dem Kind auch diese Probleme irgendwo selber lösen lernt. Und das ist ein Phänomen, das wir als Over-Parenting bezeichnen,
[00:40:20] dass den Kindern eigentlich jegliche Agency wegnimmt und ihnen vermittelt, eigentlich kann ich meine Probleme selber nicht lösen, weil wir müssen den Kindern gewisse Schwierigkeiten auch zumuten, wir müssen gewisse Negative erfahren, müssen die Kinder auch machen dürfen, ohne dass man als Eltern die ganze Zeit sie in Warte bettet und ihnen alle Probleme aus dem Weg räumt. Ich glaube, dass man das Eltern vermitteln muss und sozusagen die Kinder auch eine gute Angst spüren lässt.
[00:40:50] Und eine gute Angst ist zum Beispiel, wenn der Papa oder die Mama das Kind herumwirft und dieses Rough and Tumble Play wild spielen, das Kind, nicht wenn das Kind auf den Baum klettert und sagt, um Gottes Willen, komm sofort runter oder am Spielplatz unten stehen und das Kind nicht runterfällt, sondern das Kind ermutigt, ja, kletter rauf und entdecke auch diese Welt. Ich glaube, das ist ein ganz wichtiger Punkt. Es gibt eine Studie mit Ratten, die
[00:41:20] vor kurzem veröffentlicht wurde, und die zeigt, dass wenn die Rattenmama das Kind viel leckt und liebkost, dass dann im Gehirn, also in den Genen, ein Gen abgeschalten wird, das danach für das Stressempfinden und für das Angstempfinden eine Rolle spielt. Also man kann durch diese körperliche Zuwendung zumindest bei Ratten Gene so verändern, also nicht direkt verändern, sondern abschalten, schalten, dass
[00:41:50] das ganze Leben lang dieses Rattenkind anders mit Stress umgehen kann. Und man muss mal schauen, ob man das auf den Menschen übertragen kann, aber ich glaube schon. Und deshalb den Eltern zu sagen, okay, drill sie nicht zu mit Mathematikaufgaben, sondern setz sie mit ihnen auf die Couch und spiel mit ihnen Kitzelmonster und geh mit ihnen am Spielplatz in die Natur, klettert da rauf und hab keine Sorge und vor allem räum den Kindern nicht alle Probleme aus dem Weg, lass sie dosiert
[00:42:19] auch sozusagen spüren, was Resilienz bedeutet, weil Kinder können nicht resilient werden, wenn sie nicht spüren, was Resilienz bedeutet, weil eben Eltern ihnen alle Schwierigkeiten wegnehmen. Heute bei 365 der Bildungswissenschaftler Golli Marboe. Das ist ein Segment von Elternschaft, die es sicher gibt, aber doch eher in den privilegierten Milieus. Wir begegnen schon bei unseren Mental Health Days auch vielen Schulen,
[00:42:49] wo es eben nicht einmal mehr einen Elternverein gibt, wo es bei Elternabenden keine Besucherinnen mehr gibt, weil die Eltern die Erziehung in vielen wesentlichen Fragen des Lebens der Schule überantworten. Dieses Segment der Elternschaft gibt es leider auch. Also wir haben, ich kann jetzt eine konkrete Schule, die wir in London besucht haben, die haben sich als Ziel gesetzt, das ist eine Schule mit über 60 Prozent Kinder aus benachteiligten Familien, die war im Jahr 2009
[00:43:18] eine Failing School, wurde von einer Inspektion mit Inadequate beurteilt und dann kam der neue Direktor, im Jahr 2013 war das eine der besten Schulen in der Region, das ist in Tower Hamlets, das ist der schwierigste Bezirk in London und wurde in der Inspektion in allen Kategorien mit Outstanding beurteilt. Und eines der zentralen Verbesserungsprojekte war, dass wir die Eltern so viel wie möglich in die Schule bringen. Also das war natürlich eine Schule mit einem starken
[00:43:47] islamischen Zulauf und deshalb hat man auch jemanden aus ihrer Community in die Schule geholt, der eine Identifikationsfigur auch mit der Community darstellt und ihm beauftragt, diese Elternarbeit zu machen und dann haben wir das alles getrackt und am Schluss waren 94 Prozent aller Eltern dann bei den Elternarbeiten haben dann Eltern aus der Community auch das Schulbuffet übernommen und viele Dinge zu sagen, es ist vieles möglich, wenn sich Lehrkräfte
[00:44:16] gemeinsam mit ihrer Schulleitung auf den Weg macht, ein konkretes Verbesserungsprojekt aufsetzt und dann gezielt und nachhaltig daran arbeitet und so ist das glaube ich auch mit den Eltern. Eines habe ich noch zu den Eltern, warum heißt es immer noch Elternsprechtag und warum gibt es immer noch Erziehungsberechtigte, die ohne Kind in eine Sprechstunde gehen? Ist das nicht völlig absurd, dass ich über die Sache Kind spreche statt mit dem Kind spreche und vor allem
[00:44:45] nützen wir doch hier diese wichtige Chance dann eben nicht, dass sich Pädagoginnen, die sonst im Klassenverband Äquidistanz zu den Schülern halten müssen, hier im Team mit dem betroffenen Kind artikulieren können? Also da gibt es schon vor allem in der Primarstufe andere Zugänge, dieses Kehlgespräch, dieses Kindereltern-Lehrergespräch, wo dann das Kind auch zeigen kann, was es kann, weil tatsächlich im Gymnasium oder vielleicht auch in der Mittelschule ist eher so der Fall, man kommt zum Elternsprechtag
[00:45:15] und dann wird gesagt, das kann es nicht, das kann es nicht, das kann es nicht, das kann es nicht und das ist eine sehr negative Orientierung, während in einem Kehlgespräch beispielsweise das Können des Kindes im Vordergrund steht, dass es dort zeigen kann, dass es den Eltern zeigen kann und dass es auch der Lehrkraft zeigen kann. Ich stimme dazu, das müsste vielmehr in diese Richtung gehen, dass das Kind auch dabei ist, dass nicht die Lehrkraft und die Eltern über das Kind sprechen, weil das Kind kann sich dann vielleicht nicht verteidigen, es hat vielleicht auch was zu sagen zu dem, was hier besprochen wird.
[00:45:45] Ich glaube, das ist ein wichtiger Punkt. Da könnten wir auch an den Begrifflichkeiten vielleicht arbeiten, dass das dann Gemeinschaftstage sind und nicht mehr Elternsprechtage oder was auch. Gemeinschaftsprechtage. Genau. Zum Schluss noch eine kleine sozusagen Herausforderung. Roland Bernhardt, ohne dass Sie jetzt eine These vertreten oder schon eine Antwort hätten, mit welcher Frage soll sich unsere Gesellschaft beschäftigen, von denen Sie noch nicht wissen, wie sie ausgeht, aber was Sie verbrennend halten. Dass wir einen
[00:46:14] Diskurs starten, ohne dass wir schon wissen, wie es ausgeht, zu etwas rund um psychisches Wohlbefinden in der Schule. Also ich glaube, die zentrale Frage, die wir uns stellen sollten und die tatsächlich auch gestellt wurde, das ist die Frage des Harvard Human Flourishing Programms und das ist, was macht ein Leben des Aufblühens? Was führt dazu, dass Menschen nicht nur psychisch gesund sind, das ist ein Element des Aufblüten, sondern dass sie umfassend im Sinne der aristotelischen
[00:46:44] Eudaimonia ihr Leben gestalten können. Und das ist schon interessant, es gibt im Jahr 2025 von Van der Weel und seinem Team aus dem Harvard Human Flourishing Programme Daten dazu, die größte Studie darüber, was das menschliche Leben gelingen lässt. Und ich glaube, das ist die Frage, die wir uns stellen sollen. nicht Flourishing oder Aufblühen, das klingt, zu kommen, sondern wir stellen uns die Frage, was lässt menschliches Leben wirklich gelingen? Und darauf müssen wir auch unser Bildungssystem ausrichten.
[00:47:13] Jetzt zeigt diese Harvard Human Flourishing Study, dass es vor allem Beziehungen, Ehe und Familie langfristige Partnerschaften mit einem Menschen sind. Und wir müssen uns überlegen, okay, wie kann die Schule dazu beitragen, dass das möglich ist? Bildung erteilt, die das eben möglich macht, dass Menschen miteinander auskommen, dass sie Menschen sich gegenseitig vergeben können. Die positive Psychologie hat auch die Vergebungsbereitschaft oder die Vergebung als
[00:47:43] eine Charakterstärke positioniert. Und das lernen wir aber nicht in der Schule. Das ist das erste, Beziehungen. Das zweite, was Menschen nach der Harvard Human Flourishing Programm aufblühen lässt, ist Bildung. Und der dritte Aspekt ist eine sinnstiftende Arbeit, und zwar eine Arbeit, die nicht nur für mich und meine eigene Karriereentwicklung umgesetzt wird, sondern eine Arbeit, wo ich daran denke, wie kann ich der Gesellschaft oder anderen dienen?
[00:48:12] Das macht Sinn. Das ist das, was Viktor Frankl gesagt hat. Menschen werden danklücklich, wenn sie irgendwas Sinnvolles tun. Nicht an der eigenen Karriere und an dem eigenen Glück sozusagen arbeiten, sondern etwas für andere zu tun, Arbeit als Dienst zu sehen, das ist ein zentraler Punkt. Und dann Religion. Interessanterweise, die Harvard Human Flourishing Study hat auch gezeigt, dass Religion in allen Kulturen, nicht nur in der christlichen Kultur, in einem engen Zusammenhang steht, und zwar im
[00:48:42] kausalen Zusammenhang mit der psychischen Gesundheit. Es gibt über 5000 Studien, die das zeigen. Es gibt natürlich auch krankhafte Formen von Religiosität, aber ich glaube, da kann Schule auch lernen, dass wenn es Religiosität gibt, bei den Kindern, dass man das als Ressource wahrnimmt und nicht wie das vielleicht lange Zeit der Fall war, dass man sich darüber lustig macht und irgendwo versucht, es den Kindern auszureden, sondern dass man schaut, wo gibt es Möglichkeiten, wo gibt es Ressourcen, die schon in den Kindern angelegt sind und wenn das Religion ist, ist das Religion und dann darauf
[00:49:11] aufbauend, dazu beizutragen, dass es den Kind besser geht. Ich glaube, dass es wichtig ist, dass wir jetzt in so einer Krisenzeit sind, was die psychische Gesundheit unserer Kinder anlangt, dass wir einfach alle Stakeholder zusammenkommen müssen und uns überlegen, was können wir von allen Bereichen sozusagen ins Treffen führen oder ins Feld bringen, damit wir hier entsprechend eine Verbesserung erreichen. Dann mögen die Wiesen blühen. Danke vielmals für Ihre Zeit,
[00:49:41] danke für die Expertise. Gerne, vielen Dank. 365, ein Angebot von VSOM, dem Verein zur Förderung eines selbstbestimmten Umgangs mit Medien, hergestellt von Inspiris Medienproduktion. Falls Sie die Arbeit von VSOM und diesen Podcast unterstützen möchten, dann abonnieren Sie 365 auf allen Podcast-Plattformen wie Spotify, Castbox, iTunes oder Soundcloud und überall, wo es Podcasts sonst gibt. Der Verein zur Förderung
[00:50:11] eines selbstbestimmten Umgangs mit Medien finanziert seine Aktivitäten durch Mitgliedsbeiträge und Spenden. Falls Ihnen Medienbildung und Demokratie auch ein Anliegen sind, dann freuen wir uns, wenn Sie uns mit einer Spende unterstützen möchten. Dazu finden Sie Informationen auf der Webseite www.vsom.tv In diesem Sinne, bis morgen.
